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MEHR POLITISCHE PARTIZIPATION FÜR MENSCHEN MIT MIGRATIONSGESCHICHTE - Migrafrica
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MEHR POLITISCHE PARTIZIPATION FÜR MENSCHEN MIT MIGRATIONSGESCHICHTE

Projekt: MultiplikatorenPlus (M+)
Eine neue Anerkennungs- und Erinnerungspolitik als zentrale Voraussetzung für mehr politische Partizipation

Überlegungen anlässlich der Multiplikator*innen-Schulung im  Rahmen des (M+)Projekts (von Serge Palasie)

 

Vorab

Die Bedeutung sogenannter migrantischer Akteur*innen in Deutschland nimmt in vielen Bereichen stetig zu. Trotz der Vielfalt der von ihnen bearbeiteten Themen konzentrieren sich jedoch nach wie vor viele Aktivitäten auf Bereiche mit einem Bezug zu Integration, Rassismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit oder Flucht und Migration. Ganz klar betreffen diese und ähnliche Bereiche die erwähnte Gruppe oftmals auf besondere Weise, was diese Priorisierung rechtfertigt. Dennoch: Vermehrt sollten auch Themenbereiche von dieser Gruppe besetzt werden, die (noch) nicht per se mit Migrant*innen bzw. mit Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund verbunden werden. Ein großes Hindernis ist hierbei eine hinterherhinkende deutsche Erinnerungspolitik und -kultur, die kaum Identifikations-möglichkeiten für die nicht als Mehrheitsgesellschaft bezeichnete Gruppe bietet. Mangelnde Identifikation mit diesem Land kann eine Ursache für mangelndes politisches Engagement jenseits der eingangs erwähnten Themenfelder sein. Andererseits kann die verbreitete mangelnde Bereitschaft eines grundlegenden Überdenkens der Frage, was und wer heute alles deutsch ist und was und wer nicht, dafür sorgen, dass einem die potentiell „besten Deutschen“ verlorengehen. Durch einen Blick auf die Geschichte der letzten 500 Jahre wird schnell deutlich, dass Menschen aus aller Welt Europas Geschichte mitprägten – und zwar nicht nur als Sklaven und koloniale Untertanen, sondern auch in Bereichen wie der Wissenschaft, Medizin, Architektur oder Philosophie. Spätestens mit der im 19. Jahrhundert in Europa entstehenden Nationalstaat-Idee, die von ethnisch homogenen Völkern ausging, gerieten gesamtgesellschaftliche Leistungen „außereuropäischer“ Akteur*innen durch Auslassungen in Vergessenheit, während die Betonungen der Leistungen europäischer Akteur*innen andererseits genau das Gegenteil bewirkten bzw. immer noch bewirken. Das Bewusstsein hierüber und eine Überholung dieser verstaubten Geschichtsschreibung sind dringend notwendig. In Zeiten komplexer werdender Identitätsrealitäten ist dies im gesamtgesellschaftlichen Interesse. Unabhängig davon gilt es verstärkt jenseits der vertrauten Strukturen tätig zu werden, um auch als Menschen mit sogenanntem Migrations-

hintergrund zunehmend als politische Akteur*innen im gesamtgesellschaftlichen Kontext sichtbar zu werden. Mehr lesen

 

Projektbeschreibung

 

Mit dem Projekt “Multiplikatoren PLUS” wollen wir die  o.g. Menschengruppe, dabei unterstützen sich aktiv an der politischen Bildung in der BRD zu beteiligen.

Um den immensen Informationsbedarf bezüglich der politischen Bildung decken zu können, beabsichtigen wir unter dem Motto “Wir qualifizieren und fördern Vorbilder” in vier Phasen ein möglichst engmaschiges Multiplikatoren-Netzwerk zu organisieren, wodurch die politische Partizipation mehrheitlich „ehemals Geflüchteten“ gewährleistet werden kann.

Dieses Netzwerk soll mit Hilfe erfahrener Mitarbeiterinnen und Expertengruppe aufgebaut werden, die das fachliche Wissen und die nötige Erfahrung besitzen, die o.g. Zielgruppe zu Multiplikatoren zu schulen. Die exemplarische Vorstellung von Biografien der erfolgreich integrierten und politisch aktiven Experten mit afrikanischen Migrationsgeschichte ist Bestandteil der Weiterbildung der Multiplikatoren, die eine Vorbildfunktion einnehmen und das Erlernte nach außen tragen werden. Darüber hinaus ist es von großer Wichtigkeit, die o.g. Menschengruppe bei der Entwicklung der Methoden und Konzepte hinsichtlich der politischen Partizipation mit einzubinden, um ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre politische Partizipation selbst in die „Hand zu nehmen“ und aktiv zu gestalten.

Bei dem geplanten Zusammentreffen mit Entscheidungsträgern auf Bundesebene sollen Vorschläge für mögliche Reformen zur Sprache kommen, die die politische Partizipation der Zielgruppe fördern.

 

Verlauf des Projekts M+

 

Das erste Seminar im Rahmen des Projektes Multiplikatoren+ gefördert durch das BPB fand vom 12.05.2017 bis zum 14.05.2017 in Siegburg statt. Nachdem das Projekt M+ vorgestellt und die Arbeit der Bundeszentrale für politische Bildung erörtert wurde, stiegen wir direkt in das Thema „Politische Partizipation“ ein. Nach einer ausführlichen Definition des Begriffes „Politische Partizipation“ und der Kategorisierung von formeller, informeller und unkonventioneller Teilhabe hatten die Teilnehmer/innen die Möglichkeit sich über ihre Erfahrungen und Fragen hinsichtlich politischer Partizipation auszutauschen und diese zu reflektieren. Es entstanden mehrere Kontakte und konstruktive Ideen, bspw. wie Demokratie und Transparenz innerhalb der Migrantenvereine intensiv praktiziert werden, wie aktives Zuhören und Partizipation geschult wird, wie regelmäßige Debatten über ausgewählte Themen zum Beispiel Europäische Agrar- und Handelspolitik durchzuführen sind u.v.m.  Die eingeladene Expertin Joyce M. Muvunyi (Fachpromotorin des European Network of people of African decent (ENPAD)) stellte unterschiedliche Möglichkeiten zur politischen Teilhabe vor und zeigte anhand von bewährten Methoden, welche praktischen Möglichkeiten zur politischen Partizipation der Teilnehmer/innen auf kommunaler-, Landes- und Bundesebene vorhanden sind und wie sie aktiv und nachhaltig gestaltet werden können. U. a. wurden folgende Möglichkeiten zur politischen Teilhabe besprochen: Das Recht als gewählte Vertreter/innen im Integrationsrat mitzuwirken und sich aktiv bei Bürgerinitiativen einzubringen sowie einigen wichtigen Protagonisten in der Politik bspw. Dr. Karamba Diaby dem Bundestagsabgeordneten als Beispiel zu folgen um mögliche Reformen (in diversen Themenbereichen) zu erzielen etc.

Auch die beiden Experten Simone Ahrendt und Eddie Abdella bereicherten die Seminarteilnehmer/innen mit ihren persönlichen unkonventionellen Erfahrungen und möglichen Partizipations- und Vernetzungsmöglichkeiten mit den Entscheidungsträgern auf allen Ebenen.

In diesem Zusammenhang war es für uns (Migrafrica) äußerst wichtig, den Teilnehmer/innen einen „Raum“ zu bieten, wo die politische Partizipation jenseits von Integration individuell definiert und hierzu eine passende Aktion (wie Demonstration, Petition, ziviler Ungehorsam etc.) entwickelt wird, um z. B. die gewünschten Reformen hinsichtlich entwicklungspolitischen Programme der Bundesregierung zu erzielen oder die Zusammenhänge für alle Teilnehmer/innen verständlich zu erörtern, wie ungewollte Migration sowohl von der Mehrheitsgesellschaft als auch von den Afrikaner/innen langfristig betrachtet zu vermeiden ist/wäre. Dies ist uns als Verein in vollem Umfang gelungen.

 

Auch das Feedback des ersten Seminares zeigte, dass alle Teilnehmer/innen mit den Inhalten und aufgezeigten praktischen Beispielen der politischen Partizipation und „Wege“ sehr zufrieden waren. Das Seminar wurde auch durch das Radio (Deutsche Welle) auf Swahili übersetzt und am 16.05.2017 in mehreren ostafrikanischen Länder ausgestrahlt (Beitrag anhören):ab 8 Min. Allerdings zeigte die Evaluierung auch, dass viele offene Fragen/Wünsche nach politischen Reformen (bspw. in der Markt-, Agrar-, Entwicklungs- und Integrationspolitik) noch unbeantwortet bleiben.

 

 

Auch das zweite Seminar, dass vom 07. bis 09. Juli 2017 in Bonn stattfand, war ein großer Erfolg. Unter dem Motto „Migrantenorganisationen für mehr politische Partizipation stärken“ kamen 23 Teilnehmende zusammen, diskutierten, sammelten Ideen und simulierten kommunale Projekte.

Zunächst führten, analog zum ersten Workshop, Vereinsvertreter unterschiedlicher Migrantenorganisationen aus NRW in den Begriff der politischen Partizipation ein. Joyce Muvunyi stellte anschließend als Fachpromotorin des „European Network of people of African descent“ (ENPAD) unterschiedliche Möglichkeiten zur politischen Teilhabe vor. Dabei ging sie jeweils auf konkrete Handlungsfelder auf kommunaler-, Landes- und Bundesebene ein.

Serge Palasie (Eine Welt Promotor: Flucht, Migration und Entwicklung in NRW) zeigte mit seinem Vortrag „Eine neue Anerkennungs- und Erinnerungspolitik als zentrale Voraussetzung für mehr politische Partizipation”, dass politische Ziele durch entsprechende Vorbilder einfacher zu realisieren sind.

Ein „Highlight“ war der Vortrag der Journalistin Tina Adomako, die von ihrem persönlichen Werdegang   und über ihr eigenes politisches Engagement berichtete.

Die Frage welche europäischen Fördermöglichkeiten zur Verfügung stehen, um die politische Arbeit und Projekte von Migrantenorganisationen zu finanzieren, besprach Abraham Nida (Gründungsmitglied von Migrafrica) mit den Teilnehmenden.

Zum Schluss ging Bibusa Washington Wißeman (CEO und Gründerin von Sensxafrica) darauf ein, wie sich soziale Arbeit bzw. soziales Unternehmertum mit politischer Partizipation verbinden lassen.

Durch die Veranstaltung konnten sich viele Teilnehmende untereinander vernetzen. Eine weitere Veranstaltung rund um das Thema der politischen Partizipation ist für den 08. bis 10. September 2017 geplant.

Den vollständigen Bericht von Herr Serge Palasie „Eine neue Anerkennungs- und Erinnerungspolitik“ finden Sie hier: LINK.

 

Projekt Multiplikatoren+ in Berlin

 

Migrafrica hatte geladen und über 60 Interessierte sind vom 3. bis 5. November in Berlin zum dritten Multiplikatoren+ Workshop zusammengekommen, um über gesellschaftliche Teilhabe und politische Partizipation von Migrant*innen zu diskutieren. Die Veranstaltung begann mit einer Kennenlernrunde, gefolgt von einem Input von Eine Welt Netz (EWN)-Promotor Serge Palasie, der einen kurzen historischen Überblick der Geschichte des Kolonialismus und dessen politische Auswirkungen bis heute gab.


Amanuel Amare stelte kurz den Verein Migrafrica vor, der erst 2013  gegründet wurde und bisher schon über 30 Projekte durchgeführt hat. Auffallend ist, wie wenig die afrikanische Diaspora sich politisch engagiert. „Warum beteiligen sie sich nicht? Fühlen sich nicht angesprochen? Sehen keine Vorbilder?“ fragte Amare. Anschließend versuchten die Teilnehmer*innen auf genau diese Fragen Antworten zu finden und diskutierten in fünf Arbeitsgruppen, wie die afrikanische Diaspora für eine größere Beteiligung an gesellschaftspolitischen Prozessen aktiviert werden könne, ein Ziel, so waren sich die meisten einig, welches nur mit der jungen Generation zu erreichen sei. Die Teilnehmer*innen definierten fünf gesellschaftliche Bereiche, in denen mehr Partizipation von Menschen mit Migrationsbiographien angestrebt werden sollte. In Gruppen diskutieren sie die Hindernisse und Herausforderungen, und zeigten mögliche Wege auf, die zu Veränderungen führen könnten.


Die Gruppe Arbeitsmarktöffnung und Integration von Geflüchteten konstatierte, dass derzeit alle Akteure mehr oder weniger ratlos sind, wie dieses Thema nachhaltig verankert werden kann. Ein Peer-to-Peer Ansatz durch mehr migrantische Organisationen als Anbieter von Maßnahmen würde eine bessere Ansprache gewährleisten.

In einer zweiten Gruppe wurde das Thema Unternehmertum aus zwei unterschiedlichen Perspektiven heraus diskutiert.  Einerseits ging es um Wege in die Selbständigkeit hier in Deutschland und andererseits um  Gründungsperspektiven in den Herkunftsländern. Als große Hürde wurde der erschwerte Zugang von Migrant*innen zu Kreditinstitutionen gesehen, aberber auch ein Unwissen über Beratungsmöglichkeiten und oft eine ungenügende Vorbereitung der Migrant*innen selbst. Hier würde eine bessere Aufklärung über die Voraussetzungen und Anforderungen helfen.


Eine weitere Gruppe setzte sich mit den Themen Ernährung & Bildung auseinander. Mehr offene Bildungsveranstaltungen könnte Geflüchtete sowie die Mehrheitsgesellschaft zu diesen Themen informieren. Fachpromotorin Tina Adomako wies auf das EWN Programm „Bildung trifft Entwicklung“ (BtE) hin und die Möglichkeit, sich selbst als BtE-Referentin zu bewerben. BtE biete die Möglichkeit, in Schulen oder bei Frauengruppen das Thema Ernährung zu vertiefen. Das Thema Integrationspolitik beschäftigt immer wieder. Auch wenn in den letzten Jahren viel auf dem Weg gebracht worden ist, um die Integration vor allem von Geflüchteten  voranzutreiben, kritisiert die Gruppe, dass die Integrations- und Sprachkurse nicht von allen Geflüchteten in Anspruch genommen werden können. Von den 53 afrikanischen Ländern haben nur Menschen aus Eritrea und Somalia Zugang zu den Angeboten. Die Abschiebungspraxis wurde ebenfalls kritisiert. Eine Forderung war, diese Praxis zu überdenken und Menschen, die schon viele Jahre hier leben und integriert sind, einen legalen Aufenthalt zu ermöglichen. Das sollte vor allem auch für Minderjährige gelten, die hier zur Schule gehen.

Die vierte Gruppe nahm sich das Thema Anti-Rassismus im Kontext von Medien, Schulen und Universitäten an. Hier wurde das Afrika Bild diskutiert, das in Schulen, Institutionen und durch die Medien vermittelt wird. Kritisiert wurde, dass wichtige Aspekte der Geschichte nicht gelehrt werden. Das führe zu einem einseitigen Bild. Eine Anpassung der Curricula, eine bessere Erinnerungskultur – auch an die Rolle Deutschlands in der Geschichte Afrikas – würde die Narrative korrigieren. Identitätsbildend könnten Themenwochen an Schulen sein, die sich mit den diversen kulturellen Identitäten auseinandersetzen, die es nun mal in der Einwanderungsgesellschaft gibt.


„Last but not least“ wurde auch das Thema Entwicklungspolitik (abschaffen) von einer Gruppe diskutiert. Die Teilnehmer*innen waren der Meinung, dass 50 Jahre Entwicklungshilfe keine spürbare Verbesserung für die Bevölkerung Afrikas gebracht habe und fänden es daher besser, wenn Entwicklungshilfe in der jetzigen Form abgeschafft werden würde. Kritisiert wurde, dass viele der geförderten Projekte häufig an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort vorbeigingen. Der Marshallplan mit Afrika sei ein Beispiel, der von deutschen Politikern verfasst wurde, ohne die Stimme der afrikanischen Partner zu berücksichtigen. Um die Südperspektive ernster zu nehmen wäre ein Weg, mehr Menschen aus der Diaspora in den politischen Institutionen wie dem BMZ zu beschäftigen. Sie kennen oftmals die Verhältnisse vor Ort besser als die „Expert*innen“, die dahin entsendet werden. Nach der intensiven Arbeit in den Gruppen gab es einen Impulsvortrag von Peter Krahl (BMZ). Er ging auf die positiven Aspekte der Einwanderung ein. Eine demokratische Gesellschaft könne sich nur erhalten, wenn sie offen  für Menschen aus anderen Ländern sei. Krahl gab Einblicke in die Arbeit des Ministeriums, und wie diese sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt habe. Er unterstrich, dass die Diaspora ein riesiges Potenzial habe zur Entwicklung in den Herkunftsländern beizutragen. Das zeige sich auch an den riesigen Summen der „Remittances“, die in den globalen Süden fließen und die das weltweite Entwicklungshilfe-Budget weit übersteigen. Nach einer kurzen Mittagspause ging es mit einer lebhaften Podiumsdiskussion weiter, in der sich Peter Krahl, Serge Palasie und Aminata Touré (Landtagsabgeordnete in Schleswig-Holstein) den Fragen der Teilnehmer*innen stellten. Vor allem Aminata Touré musste sehr viele Fragen beantworten. Sie schilderte ihren Lebensweg als Kind von Geflüchteten, ihre Motivation sich als „schwarze Frau“ für die Belange von Migrant*innen und Verbraucher*innen einzusetzen und ihren Weg in die Politik.  Sie ermutigte die Teilnehmer*innen, sich in die Parteien hinein zu trauen. Bevor die Teilnehmer*innen wieder abreisten, reflektierten sie die Veranstaltung  gemeinsam. Für viele war das Multiplikatoren+ Wochenende ihr erster Besuch auf einer Veranstaltung, in der es um für sie relevante Inhalte bezüglich entwicklungspolitischer und politischer Partizipation ging. Sie fühlten sich durch die Veranstaltung gestärkt und ermutigt, sich gezielter für ihre Themen einzusetzen.

Aber auch die Teilnehmer*innen, die bereits in Vereinen und Initiativen aktiv sind oder schon lange in Deutschland leben, konnten Impulse für sich und die Arbeit in ihren Organisationen mitnehmen.

 

Wir bedanken uns bei der Bundeszentrale für politische Bildung für die freundliche Unterstützung.

 

Multiplikatoren+ Wochenende in Bonn 2018

 

Der erste Workshop (2018) des Projektes „Multiplikatoren +“ fand vom 16.03 bis zum 18.03

in Bonn statt. 20 VertreterInnen verschiedener Migrantenselbstorganisationen kamen aus 4 Bundesländern, um sich über das Thema „politische Partizipation“ mehrheitlich für junge Menschen mit afrikanischen Migrationsgeschichte auszutauschen und gemeinsam Ideen und Methoden herauszuarbeiten um mehr Mitwirkung der o.g. Zielgruppe in der deutschen Politik zu erzielen .

 

Das Projekt „Multiplikatoren +“ verfolgt das Ziel durch die Fortbildung von Multiplikatoren aus der afrikanischen Diaspora die Steigerung der Teilhabe junger Menschen afrikanischer Herkunft in der Politik zu erreichen.

Im ersten Teil des Workshops ging es darum die Themenschwerpunkte der Teilnehmenden zu erfassen und sich in Gruppen auf ein Arbeitsfeld festzulegen, in welchem sie den notwendigen Bedarf feststellen die Zielgruppe stärker einzubinden. Die erarbeiteten Thematiken und Konzepte des Workshops werden in drei weiteren Treffen weiterentwickelt, konkretisiert und zum Abschluss des Projekts relevanten politischen EntscheidungsträgerInnen auf lokale und nationale Ebene vorgestellt. Bereits in den nächsten Wochen werden die Konzeptentwürfe einzelnen relevanten PolitikerInnen und Ausschüssen des Landtages in Düsseldorf präsentiert.

Die Teilnehmenden brachten verschiedene Arbeitserfahrungen in den Bereichen Migration, Integration und Kooperationszusammenarbeit mit. Durch diese Heterogenität entstanden Synergien, in welche viele unterschiedliche Blickwinkel hinsichtlich politischer Partizipation einflossen. Die Arbeitsatmosphäre war den ganzen Workshop über hochkonzentriert und motiviert in einem von Wertschätzung geprägten Umfeld.  Infolgedessen entwickelten sich drei verschiedene Konzepte in drei verschiedenen Themenbereichen der Politik. Nach einer konstruktiven Themen- und Gruppenfindung bildeten drei Arbeitskreise: In den Bereichen „Bildung“, „Frauenrechte hinsichtlich politischer Teilhabe“ und „Entwicklungspolitik“ sahen die Teilnehmenden den meisten Bedarf die politische Teilhabe junger Menschen mit afrikanischer Migrationsgeschichte zu stärken. Für diese drei Themenbereiche wurden bereits die Zielgruppe und der Handlungsbedarf definiert und erste Lösungskonzepte und Maßnahmen entwickelt.

Die Evaluation des Workshop zeigte, dass die Teilnehmenden und das Projektteam mit dem Verlauf, den Methoden und herausgearbeiteten Ergebnissen sehr zufrieden waren.

Wir bedanken uns bei der Bundeszentrale für politische Bildung für die freundliche Unterstützung!

 

Multiplikatoren+ Wochenende in Düsseldorf 2018

04.-06. Mai 2018 in Düsseldorf

Das zweite Workshop-Wochenende (04. – 06. Mai 2018) im Rahmen des “Multiplikatoren +”-Projekts startete im Düsseldorfer Landtag mit einem Austausch- und Diskussionstreffen mit der Landtagsabgeordneten Josefine Paul (Bündnis90/Die Grünen). Als Schwerpunkte wurden die Frauenrechte hinsichtlich politischer Bildung und die politische Teilhabe junger Menschen mit afrikanischer Migrationsgeschichte im Bildungssektor, gesetzt. 20 VertreterInnen von Migrantenselbstorganisationen (MSOs) hatten die Möglichkeit ihre bereits erarbeiteten Projektideen und Konzepte in den genannten Bereichen vorzustellen, mit Frau Paul und allen Anwesenden zu diskutieren und darauf aufbauend weiterzuentwickeln.

Frau Paul zeigte großes Interesse am übergeordneten Projekt, den gewählten Schwerpunkten und den Teilnehmenden, wodurch ein intensiver und persönlicher Austausch entstand. Ferner vermittelte Frau Paul, auf Basis ihrer Erfahrungen, einen realistischen Blick auf das landespolitische Geschehen in NRW und dessen noch bestehende Schwachpunkte bezüglich der Inklusion von Menschen mit afrikanischer Migrationsgeschichte, wie bspw. das Fehlen einer staatlichen Antidiskriminierungsstelle in NRW. Im Konsens aller Beteiligten, dass keine Politik für Menschen afrikanischer Migrationsgeschichte ohne MSOs möglich ist, betonte Frau Paul die Relevanz dieser als wichtige Partner der Landesregierung NRW zur politischen Bildung der Zivilgesellschaft auf alltäglicher Ebene. Um die, von Frau Paul angesprochene, notwendige Kooperation zwischen MSOs,politischen Institutionen und Entscheidungsträgern zu stärken, einigten sich die Teilnehmenden im weiteren Verlauf des Workshops darauf, gemeinsam einen thematischen Schwerpunkt festzulegen, der die Partizipationsbereitschaft der Zielgruppe und die Stellung von MSOs in der Politik signifikant stärkt. Dieser wurde nach intensiver Gruppenarbeit demokratisch gewählt. Am meisten Zuspruch fand dabei die Idee einer Monitoringstelle aus einem Konsortium von MSOs und verschiedenen Verbänden und Institutionen zu entwickeln, die aus der Gesellschaft heraus als Bindeglied zwischen Politik und der afrikanischen Diaspora fungiert. Dadurch können die MSOs, unter Berücksichtigung ihrer Kompetenzen und Kapazitäten, aktiv Einfluss auf das politische Geschehen, im Sinne der afrikanischen Diaspora, nehmen. Der Arbeitsbereich dieser Monitoringstelle wird in der Entwicklungspolitik, mit dem dortigen Schwerpunkt der Jugendförderung, liegen. Bis zum dritten Workshop im August werden die Teilnehmenden, auf einer eigens für das Projekt eingerichteten Online-Plattform, konkrete Projektideen in o.g. Bereich entwickeln und bearbeiten. Diese werden dann im dritten Workshop finalisiert, um bei der letzten Veranstaltung an Entscheidungsträger auf Bundestagsebene weitergeleitet und debattiert zu werden.

Zur Weiterentwicklung ihrer multiplikatorischen Fähigkeiten hinsichtlich politischer Partizipation wurden die Teilnehmenden zusätzlich im Verlauf des Workshops in ihren Kommunikationsprinzipien und -techniken geschult. Der Fokus lag dabei auf dem Einfluss von Diversität auf verschiedene Kommunikationsprozesse, wie die subjektive und objektive Wahrnehmung im Alltag und der Teamarbeit. Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit für sich selbst und in der Gruppe über persönliche Erfahrungen und die Rolle der Kommunikation im politischen Kontext zu reflektieren. Das Verständnis, dass in einer divers geprägten Gesellschaft die subjektive Wahrnehmung nicht der objektiven Wahrheit entsprechen muss und deshalb andere Perspektiven immer mit beachtet werden müssen, wurde dabei von allen Teilnehmenden geteilt und gilt für die weitere Projektarbeit als eine geteilte Richtlinie. Insgesamt wurde der zweite Workshop vom Großteil der Teilnehmenden (über 75%) als sehr gut bewertet, insofern, dass neue Fertigkeiten und neues Wissen, bezüglich politischer Partizipation und Kommunikation, erlernt wurden, welche im Rahmen der multiplikatorischen Fertigkeiten anwendbar sind.

Wir freuen uns auf die Fortsetzung dieser Arbeit  und bedanken uns bei BPB für die freundliche Unterstützung!

 

 

 

 

 

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