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WorkKompass Plus - Wir unterstützen und qualifizieren Flüchtlinge - Migrafrica
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WorkKompass Plus – Wir unterstützen und qualifizieren Flüchtlinge

Mit dem Projekt WorkKompass PLUS werden afrikanische Geflüchtete zwischen 18 und 27 Jahren mit voraussichtlichem Bleiberecht durch Workshops, Seminare und Begleitung unterstützt, integriert und für den Arbeitsmarkt qualifiziert. Durch erfahrene Mitarbeiter/-innen und Paten mit ähnlichem Migrationsgeschichte sowie Experten (Sozialpädagogen, Psychologen und Juristen etc.) werden die Neuankömmlinge professionell begleitet und in einen Beruf vermittelt. Patenschaften und Netzwerke, die durch das Projekt entstehen, gewähren den Geflüchteten nachhaltige Unterstützung und leisten einen Beitrag zur kulturellen Vielfalt. Von dem Projekt profitieren sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer/innen.

 

 

Das Projekt WorkKompass PLUS startete im Februar 2017. Von insgesamt 128 mögliche Teilnehmerinnen wurden die erste Gruppe von 30 TeilnehmerInnen zusammengestellt und in einer Informationsveranstaltung über das Projekt informiert. Zu Beginn  wurden mit allen TeilnehmerInnenn Einzelgespräche geführt, um ihre Situation, ihre Qualifikation und ihre Wünsche aufzunehmen und ihre Deutschkenntnisse abzufragen. Sie wurden über ihre Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt aufgeklärt und darüber informiert, was von den Arbeitgebern erwartet und gefordert wird. Einige TeilnehmerInnen, die sich von uns eine schnelle Jobvermittlung erhofften, mussten wir erst einmal darüber aufklären, dass kurzfristige „ungelernte Jobs“ mehrheitlich mit wenig Verdienst nicht erstrebenswert sind, zumal die Geflüchteten sehr jung sind und noch ein ganzes Arbeitsleben vor ihnen steht. Eine kurzfristige Arbeit können wir nur insofern unterstützen, als dass die Geflüchteten auf diese Weise Erfahrungen sammeln können und ihre Sprachfähigkeit verbessern.

 

Es wurde festgestellt, dass viele unserer TeilnehmerInnen keine ausreichenden Deutschkenntnisse besitzen, um sich bei der Arbeitssuche flüssig verständigen zu können. Viele haben wegen der Kommunikationsschwierigkeiten Hemmungen, sich auf diverse Stellen zu bewerben. 

Wir haben darauf reagiert und für die betroffenen TeilnehmerInnen ein spezielles Kommunikationstraining organisiert. In kleinen Gruppen üben die TeilnehmerInnen Stellenangebote zu lesen und zu verstehen, einen Lebenslauf zu erstellen, Telefongespräche mit potentiellen Arbeitgebern zu führen, Bewerbungen selbstständig zu gestalten, und Vorstellungsgespräche in Rollenspielen zu üben. Dies stärkt das Selbstvertrauen der jungen Migranten und hat einen großen praktischen Nutzen. Die TeilnehmerInnen konnten in der Folge viel selbstsicherer agieren und manche konnten sich bereits selbständig auf Arbeits- und Ausbildungssuche begeben.

 

WorkKompass Gruppe

 

Um die TeilnehmerInnen noch intensiver und individueller in ihrer Kommunikationsfähigkeit trainieren zu können, starteten wir ein Pilotprojekt „WorkKompass-Tandem“, bei dem wir zwei deutschsprachige Mitarbeiterinnen als Tandempartnerinnen einsetzen, die sich zweimal wöchentlich mit den TeilnehmerInnen trafen um mit ihnen Kommunikation zu trainieren. Da diese Tandems sehr gut angenommen wurden, haben wir beschlossen, diese Maßnahme auszudehnen und bewarben uns für eine Förderung der IHK, die Ende 2017 bewilligt wurde, sodass wir 2018 das Zusatzprojekt ausbauen und die Tandem-Partner zahlenmäßig vergrössern können.

 

Die neuen zusätzlichen Maßnahmen sollen den TeilnehmerInnen, die meist über keine Ausbildung verfügen (und wegen fehlender Schulabschlüsse auch eingeschränkte „klassischen“ Ausbildungsmöglichkeiten haben) bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt ermöglichen. Ziel ist es, so nachhaltig wie möglich zu agieren und möglichst wenige bis keine TeilnehmerInnen in „ungelernte“ Arbeit zu vermitteln.

 

Bei der Kontaktaufnahme zu potentiellen Arbeitgebern und Ausbildungsstellen mussten wir feststellen, dass viele der großen Firmen, die sich selbst gerne als engagierte Unternehmen für Inklusion darstellen, in der Realität leider wenige bis keine Angebote für Geflüchtete haben. Mehr Erfolg hatten wir bei kleinen lokalen und mittelständischen Unternehmen. So konnten wir für 30 Geflüchtete Beschäftigungen in Unternehmen (KFZ-Werkstätten, Mobile Altenpflege, Reinigungsfirmen, gastronomische Betriebe etc.) finden. 12 Geflüchtete haben Praktika in der Gastronomie, in Werkstätten, in der Altenpflege und in einem Reisebüro absolviert. Einige TeilnehmerInnen konnten an spezialisierten Kursen teilnehmen (z.B. Gabelstaplerführerschein-Kurs, Qualifizierung zum Sicherheitsmitarbeiterin §34a oder Qualifizierung zum Betreuungsassistenten nach §53c/43b) und so ihre Chancen auf dem Areitsmarkt deutlich verbessern. Die o.g. Qualifizierungsmaßnamen wurden mehrheitlich von den „ehemaligen“ Geflüchteten durchgeführt.

Schwierig gestaltete sich die Vermittlung in Ausbildungsberufe. Die Berufsschulen haben sehr strikte Vorgaben, notwendig sind sehr gute Deutschkenntnisse, um dem Unterricht zu folgen, ggf. ein Abschlusszeugnis einer Schule. Leider haben die wenigsten Geflüchteten aus dem afrikanischen Raum ein Zeugnis. Es zeichnet sich aber ab, dass der Gesetzgeber an Vereinfachungen für die Aufnahme in Ausbildungsberufe arbeitet, damit die jungen und motivierten Geflüchteten unkomplizierter an Ausbildungsstellen kommen können.

Migrafrica blickt mit WorkKompass PLUS auf ein erfolgreiches Jahr (2017) zurück und freut sich auf die Fortsetzung des Projekts im Jahr 2018. Wir konnten viele Erfahrungen sammeln und die Methoden und die Herangehensweise weiter optimieren. Durch die  Einbeziehung von Experten (z.B. Rechtsanwälte, Psychologen, Pädagogen etc.) konnten wir uns professionalisieren und können nun unser Wissen an andere Organisationen und Ehrenamtliche weitergeben. Wir freuen uns außerdem über die wertvollen Kontakte, die wir im Rahmen unserer Netzwerkarbeit knüpfen konnten und die uns auch noch weit über das Projekt hinaus förderlich sein werden.

Wir bedanken uns bei der RheinEnergie Stiftung für die freundliche Unterstützung.